Wenn Einkaufsteams einen neuen Lieferanten testen, beginnen sie meist mit einer einfachen Frage: Kann dieser Lieferant das Teil günstiger fertigen als der bisherige? Die Frage ist berechtigt und trotzdem unvollständig, denn kein Lieferant kalkuliert ein Teil für sich allein. Ein Lieferant kalkuliert einen Warenkorb.
In diesem Warenkorb sind einzelne Positionen knapp kalkuliert, um Aufmerksamkeit zu gewinnen, andere tragen mehr Marge. Ein paar Positionen sind sauber kalkuliert, der Rest ist defensiv geschätzt, weil der Lieferant noch nicht glaubt, dass aus der Anfrage ein Auftrag wird. Ein Benchmark für ein einzelnes Teil kann diese Fälle nicht auseinanderhalten. Deshalb sagt er so wenig über den Lieferanten hinter der Zahl.
Ein günstiges Teil bedeutet keinen günstigen Lieferanten, und ein wettbewerbsfähiges Angebot bedeutet keine wettbewerbsfähige Kostenstruktur.
Um herauszufinden, ob ein Lieferant wirklich wettbewerbsfähig ist, muss der Einkauf ihn anhand eines repräsentativen Warenkorbs prüfen und das Ergebnis mit einer technischen Kostenbasis vergleichen. An dieser Stelle greift COVALYZE in den Ablauf ein.
Warum klassische Lieferantentests leicht falsch gelesen werden
Ein typischer Lieferantentest beginnt mit Zeichnungen, Mengen und einer Angebotsanfrage. Der Einkäufer schickt eine Handvoll ausgewählter Teile an einen möglichen Lieferanten, der Lieferant antwortet mit Preisen, und der Einkauf vergleicht das neue Angebot mit den Preisen des bisherigen Lieferanten oder mit historischen Preisen. Auf den ersten Blick sieht das nach einem sauberen Benchmark aus.
Das Problem steckt im Angebot selbst. Ein Lieferant kann bei den sichtbaren oder vertrauten Teilen sehr wettbewerbsfähig sein und die weniger sichtbaren Positionen deutlich höher bepreisen. Die Summe landet trotzdem in einem akzeptablen Bereich, oder der Einkäufer sieht nur die offensichtliche Einsparung und schaut nicht weiter.
Dahinter steckt selten böse Absicht, meist ist es normales kaufmännisches Verhalten. Wenn ein Lieferant eine unklare Anfrage bekommt, nicht einschätzen kann, wie ernst es dem Einkäufer ist, oder vermutet, dass die ganze Übung nur den bisherigen Lieferanten unter Druck setzen soll, schützt er sich: Risikopuffer kommen hinein, einzelne Positionen werden knapp kalkuliert, und die Marge gleicht er an anderer Stelle aus. Das Ergebnis ist ein Verhandlungssignal und kein sauberer Lieferantentest, und der Einkauf muss es als solches werten.
Ist der Lieferant über den ganzen Warenkorb wettbewerbsfähig?
Ein einzelnes Teil zu vergleichen ist die falsche Prüfung. Der Einkauf muss wissen, ob der Lieferant seine Kostenposition über den ganzen Warenkorb hält. Das beantwortet nur, wer an der Summe vorbei auf das Muster der einzelnen Positionen schaut.
Benchmark für ein Teil
Was der übliche Test fragt
- Ist dieses Teil günstiger als das, was wir heute zahlen?
- Wie steht die Summe im Vergleich zum bisherigen Lieferanten?
- Haben wir eine zweistellige Einsparung erreicht?
Test des gesamten Warenkorbs
Was der Lieferantentest fragen sollte
- Wo liegt der Lieferant unter dem erwarteten Kostenniveau, wo darüber?
- Welche Positionen wirken sauber kalkuliert, welche geschätzt?
- Welche Preise enthalten Puffer, und welche gleichen die Marge an anderer Stelle aus?
- Hält das Muster über Größen, Komplexitäten und Mengen hinweg?
Erst die zweite Spalte macht einen Lieferantentest aussagekräftig. Die erste lässt sich beantworten, ohne etwas über den Lieferanten zu erfahren.
Dieses Muster wiegt meist schwerer als die Summe. Mit einem Lieferanten, der über den ganzen Warenkorb leicht über dem Ziel liegt, lässt sich oft leichter verhandeln als mit einem, der bei ein paar offensichtlichen Teilen günstig und bei vielen anderen teuer ist. Der erste muss sich annähern. Der zweite bepreist selektiv, und die Lücke taucht bei jedem weiteren Teil wieder auf.
Szenario 1: der attraktive Einzelteilvergleich
Ein Beispiel: Ein Auftragsfertiger beschafft Schweißbaugruppen bei langjährigen lokalen Lieferanten. Die Geschäftsführung will wissen, ob alternative Lieferanten in einer anderen Region wettbewerbsfähig wären, also schickt der Einkauf ein repräsentatives Schweißteil an einen neuen Lieferanten. Das Angebot liegt unter dem aktuellen Preis, und auf dem Papier liest sich das wie ein Erfolg.
Dem Unternehmen sagt das wenig. Ein Teil kann einfach zu fertigen sein, für genau diesen Lieferanten gut passen oder knapp kalkuliert sein, um einen Fuß in die Tür zu bekommen. Nichts davon zeigt die tatsächliche Kostenposition der Baugruppenfamilie dahinter.
Szenario 2: der Lieferant wirkt günstig, bis der Warenkorb ausgewertet ist
In einem zweiten Fall sieht das Angebot in der Summe attraktiv aus, und der Einkauf ist bereit, den nächsten Schritt zu gehen. Wer jede angebotene Position mit der technischen Kostenbasis vergleicht, sieht ein anderes Bild.
Bei mehreren großen, sichtbaren Teilen ist der Lieferant sehr wettbewerbsfähig, und genau diese Teile prüft ein Einkäufer zuerst. Bei den kleineren, unauffälligeren Positionen liegt er weit über dem berechneten Kostenniveau. Die Summe wirkt weiter akzeptabel, weil die sichtbaren Teile Vertrauen schaffen, doch der Warenkorb zeigt einen Lieferanten, der nur an einzelnen Stellen wettbewerbsfähig ist. Er verschiebt Marge innerhalb des Angebots.
Ohne technische Kostenbasis kann der Einkauf am Ende dem falschen Lieferanten den Zuschlag geben und ein Preismuster festschreiben, das mit jedem Folgeteil teurer wird. Mit ihr ist vor der Vergabe sichtbar, ob ein Angebot strukturell wettbewerbsfähig oder nur selektiv attraktiv ist.
Szenario 3: der Lieferant bietet defensiv an
Nicht jedes hohe Angebot ist ein schlechtes Angebot. Lieferanten bieten auch dann defensiv an, wenn sie dem Verfahren nicht trauen, und das passiert häufig, wenn ein Unternehmen mit festen Lieferantenbeziehungen einen neuen Lieferanten anspricht. Der Lieferant nimmt an, die Anfrage sei ein Benchmark, der den bisherigen Partner unter Druck setzen soll, und schützt sich.
Warum Zielkosten das Verhalten von Lieferanten verändern
Ein Lieferant verhält sich anders, wenn der Einkäufer die Kosten versteht. Wer nur Zeichnungen und eine Preisanfrage schickt, überlässt dem Lieferanten die Führung im Gespräch: Er entscheidet, wie viel Detail er zeigt, wo Risikopuffer sitzen und wie die Marge aufgebaut ist. Wer mit einem transparenten Zielkostenmodell in dasselbe Gespräch geht, teilt sich diese Führung.
Der Lieferant sieht, dass der Einkäufer die wichtigsten Kostentreiber kennt:
- Materialeinsatz
- Zuschnittzeit
- Schweißzeit
- Rüstaufwand
- Maschinenzeit
- Lohnannahmen
- Gemeinkostenannahmen
- Mengeneffekte
- regionale Kostenunterschiede
Das anschließende Gespräch verläuft fachlicher. Statt um eine vage Rabattforderung zu verhandeln, können beide Seiten die tatsächlichen Treiber durchgehen: ob der Rüstaufwand höher ist als angenommen, ob die Schweißkomplexität unterschätzt wurde, ob die Materialannahme falsch ist, ob die Losgröße unwirtschaftlich ist, ob der Lieferant ein anderes Verfahren nutzt oder ob Risiko aufgeschlagen wurde, weil die künftige Menge unklar ist. Diese Fragen führen zu besseren Ergebnissen als die Bitte um einen niedrigeren Preis.
Szenario 4: der bisherige Lieferant ist nicht immer das Problem
Ein Lieferantentest gilt meist als Suche nach günstigeren Alternativen, dabei kann er den bisherigen Lieferanten genauso gut schützen. Ein langjähriger Lieferant kann neben einem neuen Angebot teuer wirken. Liegt sein Preis laut technischer Kostenbasis nahe am berechneten Niveau, dreht sich der Schluss um: Der bisherige Lieferant ist nicht zu teuer, und der Neue unterschätzt entweder die Komplexität oder kauft sich den ersten Auftrag mit einem Preis, den er später korrigieren will.
Deshalb sollte ein Lieferantentest zu einem Verständnis des Lieferanten führen und nicht zum automatischen Wechsel. Je nachdem, was der Warenkorb zeigt, besteht der richtige Schritt darin, zu verhandeln, eine Alternative zu qualifizieren, beim bisherigen Lieferanten zu bleiben, ihn zu entwickeln, eine zweite Quelle aufzubauen oder eine Preisformel für künftige Teile zu vereinbaren. Zu wissen, welcher dieser Schritte zutrifft, ist mehr wert, als einen Lieferanten auszutauschen.
Warum der Test des gesamten Warenkorbs im Projektgeschäft wichtig ist
Im Anlagenbau, in der Lagerautomatisierung, im Maschinenbau, im Stahlbau und bei kundenspezifischen Industrieanlagen sieht jedes Projekt anders aus. Baugruppen werden an Kundenanforderungen angepasst, Konstruktionsänderungen sind häufig, die Mengen sind klein, und viele Teile werden einmalig oder in kleinen Losen gefertigt.
Das erzeugt viel Angebotsaufwand. Die Konstruktion stellt einen Entwurf fertig, der Einkauf schickt Zeichnungen an Lieferanten, die Lieferanten brauchen Zeit zum Kalkulieren, die Einkäufer warten auf Angebote, die Konstruktion passt an, und der Endkunde wartet auf ein verbindliches Angebot. Zwischen der technischen Konstruktion und belastbaren Kostenzahlen vergehen Wochen, und diese Verzögerung kostet: Sie bremst die Angebotserstellung, schiebt Kundenentscheidungen nach hinten, macht die Margenplanung unsicher und hält den Einkauf in der Rolle des Reagierenden.
Mit einer technischen Kostenbasis entfällt der größte Teil dieser Wartezeit. Mit COVALYZE kann ein Unternehmen die Kosten neuer Teile abschätzen, sobald die Zeichnung oder die 3D-Datei vorliegt, und Regionen, Lieferanten und Fertigungsannahmen vergleichen, bevor das förmliche Angebot vorliegt. Im Projektgeschäft wiegt dieser Zeitvorteil oft schwerer als die Einsparung im Einkaufspreis.
Vom Angebotsroulette zu einer Preislogik
Ohne Kostenbasis wird die Lieferantenauswahl zum Roulette. Dieselben Zeichnungen gehen an mehrere Lieferanten, und der Einkäufer wartet. Ein Lieferant hat Kapazität und bietet niedrig an, ein zweiter ist ausgelastet und bietet hoch an, ein dritter versteht das Teil falsch, und ein vierter schlägt Puffer auf, weil die Anfrage unsicher wirkt. Das günstigste Angebot gewinnt, doch damit gewinnt nicht unbedingt der beste Lieferant. Es kann auch nur heißen, dass ein Lieferant an genau diesem Tag die passende Auslastung, die passenden Annahmen oder den größten Hunger auf Aufträge hatte.
Szenario 5: der Rahmenvertrag
Ein Beispiel: Ein Unternehmen konstruiert regelmäßig neue Schweißbaugruppen für Kundenprojekte. Jedes Projekt bringt neue Zeichnungen, jede Zeichnung neue Lieferantenanfragen, jede Anfrage Wartezeit, und jede Warteschleife verzögert das endgültige Kundenangebot.
Angenommen, dieses Unternehmen hat nun einen Rahmenvertrag, der auf einer transparenten Kostenlogik aufsetzt. Sobald ein neues Teil konstruiert ist, berechnet COVALYZE die erwarteten Kosten aus Geometrie, Material, Prozesszeit, Rüsten und regionalen Kostenannahmen, und das Preismodell des Lieferanten folgt bereits demselben Rahmen. Der Einkäufer beginnt nicht mehr bei null, und verhandelt wird nur noch dort, wo das Teil von der erwarteten Logik abweicht.
Die Wirkung für das Geschäft liegt vor allem im Tempo und weniger im Einkaufspreis: schnellere Kundenangebote, schnellere Konstruktionsentscheidungen und Projektmargen, die halten, weil sie auf einer echten Kalkulation beruhen.
Was COVALYZE sichtbar macht
COVALYZE macht aus dem Lieferantentest eine Prüfung der Kostenstruktur statt eines Angebotsvergleichs. Anhand eines repräsentativen Warenkorbs zeigt COVALYZE:
- ob ein Lieferant über den ganzen Warenkorb wettbewerbsfähig oder nur selektiv attraktiv ist
- wo ein Angebot selektive Preise enthält
- ob ein Angebot defensiv oder ernsthaft kalkuliert ist
- welche Positionen geklärt werden müssen
- ob die Zielkosten selbst realistisch sind
- ob der bisherige Lieferant tatsächlich zu teuer ist
- ob das Preisniveau eines neuen Lieferanten haltbar ist
- ob eine Preislogik für einen Rahmenvertrag möglich ist
- wie künftige Teile ohne neue Angebotsrunde bepreist werden könnten
Verhandlung, Lieferantenbeziehung und das Urteil bleiben Sache des Einkaufs. Sie bekommen nur eine sachliche Grundlage.
Fazit: Testen Sie den Lieferanten, nicht das Teil
Ein Lieferantentest, der auf einem attraktiven Vergleichsteil aufbaut, beantwortet die falsche Frage. Baut er auf einem repräsentativen Warenkorb auf, beantwortet er die richtige: ob der Lieferant strukturell wettbewerbsfähig und kaufmännisch ernsthaft genug für das Folgegeschäft ist. Dafür braucht es eine technische Kostenbasis, bevor das Angebot vorliegt.
Das Risiko liegt nicht darin, dass ein Teil zu teuer ist. Es liegt darin, dass das Angebot gut aussieht, während die Preislogik dahinter nicht stimmt.
Erfahren Sie, wie COVALYZE Analytics und PartIQ aus einer Kostenlogik auf Teileebene Lieferantentests für den ganzen Warenkorb, belastbare Zielkosten und Rahmenpreise für Teile machen, die Sie noch nicht konstruiert haben.