Kurzfassung
Auf einen Blick
Die Ausgangslage
Ein Kunde unter hohem Kostendruck brauchte eine belastbare Verhandlungsgrundlage für ein sehr gemischtes Portfolio technischer Kleinserienteile.
Im Portfolio lagen Teile aus GFK, Kunststoff / PVC und Stahl, mit Jahresmengen von einzelnen Stück bis in den niedrigen zweistelligen Bereich. Mit COVALYZE hat das Projektteam 180 von 198 Teilenummern gerechnet, rund 91 % des Einkaufsvolumens, und über eine Should-Cost-Analyse auf Teileebene etwa 20 % Einsparpotenzial identifiziert.
Kennzahlen
Ein gemischtes Lieferantenportfolio aus einer breiteren Basis von mehr als 2.000 technischen Bauteilen.
Das entspricht rund 91 % des verfügbaren Einkaufsvolumens.
Abgedeckt vom analysierten Lieferantenportfolio.
Über das analysierte Portfolio hinweg, für jedes einzelne Teil nachgerechnet.
Dazu 35 % Kunststoff / PVC, der Rest Stahl.
Im PLM wahrscheinlich eine Standarddichte von 1,0 statt realistischer rund 1,9 für das analysierte GFK-Material.
Aufgabenstellung
Die Herausforderung
Das analysierte Lieferantenportfolio umfasste 198 Teilenummern mit einem Einkaufsvolumen von mehr als 550.000 €, verteilt über verschiedene Werkstoffgruppen und Fertigungsverfahren. Einzelne Teile wogen bis zu rund 30 kg, und die Bearbeitung reichte vom einfachen Sägen bis zum Fräsen von GFK-, Kunststoff- oder Stahlblöcken.
Das betrachtete Portfolio
- » Ein breiteres Portfolio von mehr als 2.000 technischen Bauteilen, viele davon in sehr kleinen Jahresmengen
- » 198 Teilenummern im analysierten Lieferantenportfolio, mit mehr als 550.000 € Einkaufsvolumen
- » Werkstoffverteilung: rund 45 % GFK, rund 35 % Kunststoff / PVC, der Rest Stahl
- » Jahresmengen meist zwischen 1 und 25 Stück, einzelne Teile bis rund 30 kg schwer
Warum das schwierig war
- » Klassische Kostensenkung auf Warengruppenebene passte nicht zu einem so gemischten Portfolio
- » Eine pauschale Lieferantenverhandlung hätte nicht gereicht
- » Jedes Teil brauchte ein eigenes, mit Zahlen belegtes Argument in der Verhandlung
- » Der Kunde rechnete mit wenig bis gar keinen Einsparungen und zögerte, bei steigenden Rohstoffpreisen die Preise seiner Lieferanten infrage zu stellen
Projektaufbau
Vorgehen und Analyse
Eine Datenbasis aus 2D-Zeichnungen und 3D-Geometrie.
COVALYZE hat 180 Teilenummern gerechnet, rund 91 % des verfügbaren Einkaufsvolumens, und dafür die Daten aus den technischen Zeichnungen mit der Auswertung der 3D-Geometrie zusammengeführt. Eine zentrale Aufgabe war die Zuordnung von Zeichnungs- und ERP-Daten: Die Dateinamen folgten Dokumentnummern, die kaufmännischen Daten dagegen den ERP-Teilenummern. COVALYZE hat geholfen, technische Dokumentation und Einkaufsvolumen belastbar zu verknüpfen.
Aus den 2D-Zeichnungsdaten
- » Werkstoffangaben
- » Toleranzen
- » Spezifikationen und Normen aus der Luftfahrt
- » Teilenummern
- » Technische Anforderungen
Aus der 3D-Geometrie
- » Volumen aus der 3D-Geometrie
- » Oberfläche
- » Gewichtsberechnungen
- » Geometrische Grundlage für das Should-Cost-Modell
Eine detaillierte Should-Cost-Sicht für jedes Teil
Für jedes analysierte Teil hat COVALYZE eine Should-Cost-Kalkulation erstellt. Der Kunde konnte damit sehen, wo Preise berechtigt waren, wo sie aggressiv kalkuliert waren und wo sie über den gerechneten Zielkosten lagen.
- » Materialkosten
- » Maschinenzeit
- » Lohnkosten
- » Annahmen zum Fertigungsverfahren
- » Zusätzliche Bearbeitungsschritte
- » Kostenlogik für Greenfield und Brownfield
- » Hinweise auf die Marge des Lieferanten
Differenziertes Bild
Die Analyse zeigte nicht, dass der Lieferant durchgehend teuer war, sondern ein differenziertes Bild. Das trägt in der Verhandlung deutlich weiter als ein einzelnes durchschnittliches Einsparziel.
- » Einige Teile lagen preislich über dem Should-Cost
- » Einige Teile waren wettbewerbsfähig kalkuliert
- » Einige Teile lagen offenbar unter den gerechneten Kosten des Lieferanten
- » GFK-Teile zeigten mehr Einsparpotenzial als Stahlteile
- » Stahlteile wirkten wettbewerbsfähiger, vermutlich wegen des stärkeren Wettbewerbs unter den Lieferanten
Nebenbefund zur Datenqualität im PLM
Während der Analyse hat COVALYZE die Angaben aus den 2D-Zeichnungen gegen die 3D-Geometrie geprüft.
Dabei zeigte sich ein wahrscheinlich systematischer Fehler in der Gewichtsberechnung der GFK-Teile: Die 2D-Zeichnungen wiesen rund halb so hohe Gewichte aus wie die Rechnung aus der 3D-Geometrie.
Nach manueller Prüfung liegt die wahrscheinliche Ursache in einer Standarddichte von 1,0 für GFK in der PLM- oder Stammdatenlogik des Kunden. Realistisch sind für den analysierten Werkstoff eher 1,9.
Should-Cost-Kalkulation
Die nachvollziehbare Should-Cost-Aufschlüsselung für 180 Teile (rund 91 % des Einkaufsvolumens) ergab etwa 20 % identifiziertes Einsparpotenzial im analysierten Portfolio.
~2x
Gewichtsunterschied 3D zu 2D
1,0
Standarddichte im PLM
1,9
Realistische GFK-Dichte
COVALYZE hat die 3D-Geometrie geprüft und die korrigierten, höheren Gewichte in die Should-Cost-Kalkulation übernommen. Das hält das Einsparpotenzial realistisch: Mit den niedrigeren Gewichten aus den 2D-Zeichnungen wäre der gerechnete Abstand zum Lieferantenpreis deutlich größer ausgefallen.
Statt das niedrigere Gewicht auszunutzen, hat das Team konservativ und technisch geprüft gerechnet.
Die korrigierte Gewichtslogik für GFK brachte mehr als eine belastbare Zahl:
- Eine konservative, technisch geprüfte Kalkulationsbasis
- Ein Einsparpotenzial, das nicht zu hoch angesetzt ist
- Ein Hinweis auf die Datenqualität, der über den Einkauf hinaus reicht
Am Ende stand ein Einsparfall, den der Kunde Teil für Teil nachvollziehen und vertreten konnte.
Wirkung
Das Ergebnis
Die Analyse hat im betrachteten Portfolio etwa 20 % Einsparpotenzial identifiziert, und die Aufschlüsselung je Teil macht dieses Ergebnis nachvollziehbar und prüfbar.
Der Kunde hat das Ergebnis zunächst angezweifelt, weil das Potenzial höher lag als erwartet. Für jedes Teil waren aber die Annahmen hinter der Zahl einsehbar: Materialpreise, Rüstzeiten, Maschinenzeiten, Lohnanteile, Fertigungsschritte, Kostenstruktur und gerechnete Zielkosten. Damit kippte die Diskussion von Skepsis zu konkreten Schritten, und das Warengruppenteam hatte für jedes Teil eine eigene Verhandlungsgrundlage statt einer pauschalen Forderung nach Preissenkung.
Was sich dadurch geändert hat
Lieferantenverhandlung
Für ein komplexes Kleinserienportfolio lag eine Verhandlungsgrundlage je Teil vor. Die Gespräche liefen gezielt über einzelne Bauteile statt über pauschalen Preisdruck.
Kostentransparenz
Der größte Hebel lag nicht in extremer geometrischer Komplexität, sondern in stark unterschiedlichen €/kg-Preisen für technisch vergleichbare Teile. Diese Unterschiede sind jetzt sichtbar.
Datenqualität
In den PLM- und Stammdaten kam eine wahrscheinlich fehlerhafte Gewichtslogik für GFK ans Licht. Das betrifft nicht nur den Einkauf, sondern auch Logistik, Transport und Lager.
Auch in stark spezialisierten Warengruppen mit kleinen Stückzahlen lässt sich nennenswertes Einsparpotenzial identifizieren, wenn die technische Kostenlogik für jedes einzelne Teil gerechnet wird.
![]()
„Wir haben 180 technische Kleinserienteile gerechnet, dabei etwa 20 % Einsparpotenzial identifiziert und eine konservative Should-Cost-Basis je Teil für die Lieferantenverhandlung geschaffen. Nebenbei kam ein wahrscheinlicher Fehler in den PLM-Gewichtsdaten der GFK-Teile heraus. Der Kunde ist von groben Annahmen zu präzisen Gesprächen über einzelne Teile gekommen.“