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PCBA: Kostentransparenz als Grundlage für die Lieferantenverhandlung

PCBA: Kostentransparenz als Grundlage für die Lieferantenverhandlung

Der Fall in Kürze

45 Stücklisten von drei Lieferanten wurden auf eine Struktur gebracht und auf Bauteilebene gerechnet. Der Einkäufer konnte den angekündigten Preiserhöhungen mit Zahlen widersprechen, über ein Einkaufsvolumen von mehr als 50 Mio. €.

45

PCBA-Varianten analysiert

3

Lieferanten im Vergleich

Branchen

Elektronikfertigung Automobilelektronik Einkaufsberatung

Veröffentlicht

Autor

Covalyze Team

01

Ausgangslage

Auf einen Blick

Zwei Fachleute prüfen Preisdaten von Lieferanten und BOM-Tabellen
Von Anfang an ging es darum, aus verstreuten Lieferantendaten eine belastbare Grundlage für die Verhandlung zu machen.

Der Kunde

Unser Kunde, ein weltweit tätiger Zulieferer aus Elektronikfertigung, Industrietechnik und Automobilelektronik, bekam von seinen PCBA-Lieferanten deutliche Preiserhöhungen angekündigt. Begründet wurden sie mit gestiegenen Rohstoffkosten. Der Einkauf wusste jedoch nicht, woraus sich die Preise zusammensetzen, und hatte damit keine Grundlage, um diese Begründung zu prüfen oder ihr zu widersprechen.

Im Projekt ging es um 45 PCBA-Varianten von drei Lieferanten, zusammen mehr als 50 Mio. € Einkaufsvolumen. Jede Variante brachte ihre eigene Stückliste (BOM) mit, doch Formate, Benennungen und Bauteilklassen unterschieden sich von Lieferant zu Lieferant und von Zeichnung zu Zeichnung.

Mit COVALYZE PartIQ und COVALYZE Analytics hat das Projektteam alle BOM-Daten auf eine Struktur gebracht, Kostenmodelle auf Bauteilebene gerechnet und für jeden Lieferanten eine eigene Verhandlungsstrategie abgeleitet: aus seinem Rohstoffanteil und aus dem offenen Vergleich mit den anderen.

Kennzahlen

45 PCBA-Varianten analysiert

Stücklisten aller Lieferanten ausgelesen und auf eine Struktur gebracht.

3 Lieferanten im Vergleich

Die einheitliche BOM-Struktur macht die Kosten über Lieferanten hinweg vergleichbar.

6–7 Designs im Detail

Ausgewählte Boards bis auf Bauteil- und Prozesskosten gerechnet.

~35 % Lotpaste teurer (Ø)

Gewichteter Anstieg über die Lotpasten-Rezepturen, getrieben von den Rohstoffpreisen.

> 50 Mio. € Einkaufsvolumen betrachtet

Gesamtes Einkaufsvolumen, das Analyse und Verhandlungsmodell abdecken.

10–15 % Kostenanteil PCB

Die nackte Leiterplatte ist ein konstanter, aber nachrangiger Kostentreiber.

02

Problemstellung

Das Problem

Als mehrere PCBA-Lieferanten gleichzeitig Preiserhöhungen forderten und sich dabei auf gestiegene Rohstoffkosten beriefen, fehlte dem Einkauf die einheitliche Datenbasis, um zu beurteilen, ob die Forderungen berechtigt waren.

Verstreute BOM-Daten

Das Projekt umfasste 45 PCBA-Varianten, doch die zugehörigen BOM-Tabellen kamen von drei Lieferanten in jeweils eigenen Formaten. Jede Tabelle folgte anderen Konventionen:

  • » Spaltenüberschriften, die in jeder BOM-Tabelle anders heißen
  • » Uneinheitliche Benennung und Klassifizierung der Bauteile
  • » Drei Lieferantenangebote in jeweils eigenem Format
  • » Keine einheitliche Trennung zwischen aktiven und passiven Bauteilen
  • » Fehlende oder mehrdeutige Angaben zu Lotpaste und Rohstoffen
  • » Keine Vergleichbarkeit der Teile zwischen den PCBA-Varianten

Datenlücke

Ohne einheitliche BOM-Struktur ließen sich die Bauteilkosten nicht über die Lieferanten hinweg vergleichen, und niemand konnte herausrechnen, was die Rohstoffpreise tatsächlich bewirkt hatten. Die Begründung „gestiegene Rohstoffkosten“ blieb ungeprüft, und der Einkauf konnte nur reagieren.

Der Kunde brauchte ein festes Verfahren: die verstreuten BOM-Daten vereinheitlichen, die Kostenstruktur auf Bauteilebene abbilden und beziffern, welcher Teil jeder Preiserhöhung wirklich auf Rohstoffe zurückgeht.

Verstreute Einkaufsdaten in verschiedenen Lieferantenformaten
Die BOM-Tabellen der drei Lieferanten waren nicht vereinheitlicht, ein direkter Kostenvergleich war damit nicht möglich.
03

Umsetzung

Unser Vorgehen

Phase 01

BOM-Daten auslesen und vereinheitlichen

Mit COVALYZE PartIQ hat das Projektteam alle 45 BOM-Tabellen ausgelesen, vereinheitlicht und in eine gemeinsame Struktur über alle Lieferanten gebracht.

BOM auslesen

Aus 45 BOM-Tabellen von drei Lieferanten hat das Team automatisiert alle Bauteilnummern, Mengen und Materialangaben übernommen. Jedes Board enthielt 10–50 passive und 1–5 aktive Bauteile.

Daten vereinheitlichen

Das Team hat alle BOM-Strukturen in ein vergleichbares Format gebracht:

  • » Einheitliche Spaltenüberschriften und Bauteilklassen
  • » Aktive und passive Bauteile nach einem Schema gekennzeichnet
  • » Mengen und Mengeneinheiten über alle Lieferanten hinweg angeglichen

Kostenstruktur zuordnen

Für jede Variante hat das Team die Kostenstruktur auf vier Ebenen abgebildet:

L1
Aktive Bauteile (ICs, Mikrocontroller)
L2
Passive Bauteile (Widerstände, Kondensatoren)
L3
Nackte Leiterplatte (PCB)
L4
Lotpaste und Rohstoffe
Phase 02

Technische Kostenmodelle und Rohstoffanalyse

Mit COVALYZE Analytics hat das Team für 6–7 ausgewählte Designs Kostenmodelle auf Bauteilebene gerechnet und den Rohstoffanteil über das gesamte Portfolio abgebildet.

Dashboard von COVALYZE Analytics für Preise und Kostenmodelle
Das Kostenmodell auf Bauteilebene zeigt, wie stark die Rohstoffbewegungen in jeder PCBA-Variante tatsächlich durchschlagen.

Kostenmodell je Bauteil

Für jedes dieser Designs ermittelte das System:

  • » Preisaufteilung je Bauteil (aktiv gegenüber passiv)
  • » Lotpastenverbrauch und Rohstoffanteil
  • » Kostenanteil der nackten Leiterplatte

Der größte einzelne Kostentreiber sind die aktiven Bauteile. Die Lotpaste macht einen kleineren Anteil aus, schwankt wegen Silber und Zinn aber am stärksten.

Rohstoffanteil

Die Rohstoffkosten wurden mit den aktuellen Marktpreisen verglichen. Preisentwicklung der letzten zwölf Monate:

Silber +76–178 %
Zinn +25 %
Kupfer ~+30 %
Lotpaste (gewichtet) ~+35 %

Die Lieferanten forderten pauschale Preiserhöhungen. Der Rohstoffanteil unterscheidet sich aber deutlich je nach Bauteiltyp und Board-Design.

Kaufmännische Folgen

Eine vollständige Kostenrechnung über 50 Mio. € Einkaufsvolumen, einschließlich einer Margenbetrachtung je Lieferant, zeigte:

Kostenwirkung
Größter Kostentreiber

Aktive Bauteile (ICs, Mikrocontroller) sind der dominierende direkte Kostentreiber; die Bauteilpreise machen den größten Teil der gesamten PCBA-Kosten aus

Restlicher Kostenanteil

Verteilt sich auf:

Nackte Leiterplatte (10–15 %) Lotpaste und Material Bestückung und Fertigung
Phase 03

Verhandlung je Lieferant vorbereiten

Aus der Analyse hat das Team für jeden Lieferanten eine eigene Verhandlungsstrategie abgeleitet:

Strategie 01

Berechtigt weitergegebene Rohstoffkosten von nicht belegten Margenaufschlägen trennen

Strategie 02

Für jeden Lieferanten ein eigener Verhandlungsleitfaden, abgeleitet aus seinem Kostenprofil

Strategie 03

Vergleich über die Lieferanten hinweg, um Ausreißer zu finden und Wettbewerb zu erzeugen

Kosten vergleichbar

Mit den vereinheitlichten BOM-Daten über alle 45 PCBA-Varianten und drei Lieferanten lagen alle Teile auf einer Vergleichsbasis. Zum ersten Mal sah der Einkauf, welche Kostenbestandteile auf Rohstoffe zurückgingen und welche auf die Preispolitik des jeweiligen Lieferanten.

Dashboard zur Analyse des Einsparpotenzials
Mit COVALYZE Analytics konnte das Sourcing-Team das Verhandlungspotenzial je Lieferant und Bauteilgruppe beziffern.
04

Ergebnis und Wirkung

Das Ergebnis

45 BOM-Tabellen von drei Lieferanten auf einer Struktur, Kostenmodelle auf Bauteilebene und jeder Rohstoff nachvollziehbar: Damit hatte der Kunde die Zahlen, um den Preiserhöhungen der Lieferanten zu widersprechen und die Verhandlung selbst zu führen.

Bereit für die Verhandlung

Das Unternehmen kann seitdem:

  • » Berechtigt weitergegebene Rohstoffkosten von frei gesetzten Preiserhöhungen trennen
  • » Den Angaben der Lieferanten mit Kosten auf Bauteilebene widersprechen
  • » Die Kostenstrukturen von drei Lieferanten auf einer Basis vergleichen
  • » Verhandlungen nach Einkaufsvolumen und Rohstoffanteil priorisieren
Christian Haas, Geschäftsführer der valunoo GmbH

„Vorher hat der Lieferant die Preisdiskussion bestimmt. Jetzt wird mit Zahlen verhandelt: Bauteillogik, Rohstoffanteil und ein offener Vergleich zwischen den Lieferanten.“

Christian Haas Geschäftsführer, valunoo GmbH
Kennzahlen
45 PCBA-Varianten analysiert

Stücklisten aller Lieferanten ausgelesen und auf eine Struktur gebracht.

3 Lieferanten im Vergleich

Die einheitliche BOM-Struktur macht die Kosten über Lieferanten hinweg vergleichbar.

6–7 Designs im Detail

Ausgewählte Boards bis auf Bauteil- und Prozesskosten gerechnet.

~35 % Lotpaste teurer (Ø)

Gewichteter Anstieg über die Lotpasten-Rezepturen, getrieben von den Rohstoffpreisen.

> 50 Mio. € Einkaufsvolumen betrachtet

Gesamtes Einkaufsvolumen, das Analyse und Verhandlungsmodell abdecken.

10–15 % Kostenanteil PCB

Die nackte Leiterplatte ist ein konstanter, aber nachrangiger Kostentreiber.

Silber +76–178 %
Zinn +25 %
Kupfer ~+30 %
Lotpaste (gewichtet) ~+35 %
Strategische Wirkung

Was als Reaktion auf angekündigte Preiserhöhungen begann, wurde zu einem festen Vorgehen: erst die Kosten offenlegen, dann verhandeln.

Vom Preis, den der Lieferant setzt, zur Verhandlung mit Zahlen

Mit vereinheitlichten BOM-Daten, Kostenmodellen auf Bauteilebene und beziffertem Rohstoffanteil nimmt der Kunde die Angaben der Lieferanten nicht mehr hin. Er hält ihnen belegte Zahlen entgegen und geht mit jedem Lieferanten anders in die Verhandlung.