Neuer Brancheneinblick: Der richtige Lieferant von 2005 kann heute der falsche sein

257 Insolvenzen von Automobilzulieferern zwischen 2020 und 2025, davon 59 allein im Jahr 2025. Unser neuer Brancheneinblick sieht das Risiko in der fehlenden Neuberechnung und nicht in der ursprünglichen Entscheidung und zeigt, warum für die Qualifizierung eines Alternativlieferanten realistisch mehrere Monate einzuplanen sind.

Neuer Brancheneinblick: Der richtige Lieferant von 2005 kann heute der falsche sein

Lieferantenentscheidungen scheitern selten über Nacht. Sie veralten still. Unser neuer Brancheneinblick handelt von Vergaben, die vor 15 oder 20 Jahren getroffen wurden und damals wirklich richtig waren – und davon, was passiert, wenn niemand die zugrunde liegende Kalkulation noch einmal prüft.

Die alte Global-Sourcing-Logik war rational. Europäische Industriekonzerne bauten lokale Lieferantennetze für China auf, weil China zu einem wichtigen Zielmarkt wurde, und stellten dann fest, dass einige dieser Lieferanten sehr gut wurden. Also setzten sie sie auch für europäische Produkte ein. Kostenposition, Fähigkeiten, Stückzahlen und technische Reife sprachen für dieselbe Entscheidung. Der Artikel nennt das keinen Fehler. Sein Punkt ist ein anderer: Eine Sourcing-Entscheidung, die 2005 logisch war, sollte 2026 nicht automatisch weitergelten.

Fast alles, worauf diese Rechnung beruhte, hat sich seither verändert. Frachtkosten schwanken, Energiekosten unterscheiden sich deutlich zwischen den Regionen, gebundenes Kapital ist wieder teuer, Exportkontrollen gibt es dort, wo vorher keine waren, und Qualifizierung und Anlauf eines Alternativlieferanten dauern realistisch Monate. Gleichzeitig steht die Lieferantenbasis selbst unter Druck: Oliver Wyman zählt zwischen 2020 und 2025 257 Insolvenzen von Automobilzulieferern, davon 59 allein im Jahr 2025, und EY verzeichnet die Insolvenzen deutscher Zulieferer auf einem 14-Jahres-Hoch.

Der Artikel unterscheidet zwischen dem Lieferanten und der zugrunde liegenden Wirtschaftlichkeitsrechnung. Ein Lieferant kann weiterhin über die erforderlichen Freigaben verfügen, akzeptable Qualität liefern, im ERP-System hinterlegt und Entwicklung wie Einkauf vertraut sein, während die zugrunde liegende Vergabeentscheidung veraltet ist. Mit der Zeit verschwindet die ursprüngliche Kostenlogik hinter den Stammdaten, aus einer strategischen Sourcing-Entscheidung wird Gewohnheit, und Gewohnheiten werden selten hinterfragt, solange keine Störung auftritt. Der Brancheneinblick zeigt, wie sich solche Entscheidungen auf Teileebene neu berechnen lassen, bevor es so weit kommt.

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